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Wadern – „Wenn es kein Leben nach dem Tod gibt, dann ist die Konsequenz daraus, dass unsere Welt eine zutiefst grausame Welt ist.“ Mit diesen Worten eröffnete Dr. Hans-Georg Gradl, Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Theologischen Fakultät Trier, die Diskussion zum Thema „Was kommt nach dem Tod?“, die am Donnerstag im Lichtspielhaus in Wadern im Rahmen der Reihe „Biblisches Nachtcafé“ stattgefunden hat. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Thorsten Hoffmann, Pastoralreferent im Dekanat Losheim-Wadern. Weitere Gesprächspartner neben Professor Gradl waren Juri Czyborra Sozialwissenschaftler aus Essen, Gemeindereferentin Birgit Rünz aus Rhens bei Koblenz, Oranna Kasper, Buchhändlerin aus Beckingen sowie Adam Schmitz aus Merzig.

Professor Gradl wehrte sich gegen die Vorstellung, dass es nach dem Tod nichts mehr gäbe. Es klinge wie blanker Hohn, zu sagen, es bleibe nur das, was ich aus meinem Leben mache. „Was ist denn mit all denen, die nie zum Leben kamen, die nie die Chance hatten, ihr Leben zu verwirklichen? Dann bleibst du als Opfer auf ewig Opfer! Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, dann hat Hitler nicht gesiegt“, spitzte er sein Argument zu.

Dem gegenüber sagte Juri Czyborra, dass seiner Meinung nach Menschen lediglich in der Erinnerung anderer Menschen weiterlebten. „Wir können ja höchstens spekulieren, wir wissen nicht, ob es etwas gibt, oder nicht. Ich glaube aber, da gibt es nichts und da kommt nichts.“ Adam Schmitz, der nach einem schweren Autounfall im Alter von 30 Jahren für einige Minuten klinisch tot war und wiederbelebt wurde, erzählte von seiner Nahtod-Erfahrung. Für ihn stehe fest, dass da etwas sei. „Ich bin einen langen, engen Weg gegangen an dessen Ende ein Tor stand.“ Ein Mann sei herausgetreten und habe ihm zeigen wollen, was hinter dem Tor liege. Dann jedoch sei er wieder aufgewacht, berichtet Schmitz. „Ich bin der Meinung, dass es das Tor gibt. Es gibt irgendetwas nach dem Tod – was genau, keine Ahnung!“ Diese Meinung konnte Birgit Rünz grundsätzlich bestätigen. Sie hatte eine sogenannte Nach-Tod-Erfahrung. Nachdem ihr Mann gestorben war, erlebte sie eine solche: „Es war mehr als nur ein Traum. Mein Mann lag neben mir und ich habe ihn gespürt. Eine ganz andere Erfahrung als im Traum“, erzählte sie.

Auch Oranna Kasper zeigte sich von einem Leben nach dem Tod überzeugt. “Ich glaube, wir sind immer schon da.“ Sie sei überzeugt davon, dass Seelen wandern und wiedergeboren werden. Professor Gradl stellte diesem Gedanken entgegen, dass Wiedergeburt auch „wieder sterben, wieder krank werden und wieder leiden“ bedeute. „Wird mein Leben dadurch nicht geschmälert, wenn mir die Wiedergeburt die Einzigartigkeit raubt?“ Gradl fügte hinzu: „Der Mensch sehnt sich nach Leben, Fülle und Geborgenheit. Das sehe ich nicht als Laune der Natur. Ich glaube, dass es auf diesen existentiellen Durst des Menschen eine Antwort gibt. Es gehört zur Gerechtigkeit dazu, dass die Biographie von ‚Opfern‘ nicht in der Katastrophe endet, sondern da ist ein Gott der sagt: ‚Ich mache alles neu; ich trockne die Tränen!‘. Meine Hoffnung ist, dass hinter der Schöpfung ein Gott ist, der einen Plan verfolgt.“

(dh)

Unsere Gäste

Wir haben Gäste eingeladen, die mit ganz unterschiedlichen Einstellungen und dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen zu der Frage Stellung nehmen, ob es in irgendeiner Weise ein "Leben nach dem Tod" gibt oder nicht bzw. wie man sich eine "ewige, himmlische Existenz" vorstellen kann.

Oranna Kasper

Frau Kasper hat sich nach dem Tod ihres Bruders intensiv mit der Frage nach Leben und Tod beschäftigt. Sie geht davon aus, dass sich die Seele eines Menschen mehrfach inkarniert und dadurch weiter entwickeln kann.

Birgit Prünz

Frau Rünz erzählt von Erfahrungen, die sie als Begegnungen mit ihrem verstorbenen Mann versteht.

Sie lebt in Rhens am Rhein.

Adrian Schmitz

Herr Schmitz ist durch eine Nahtoderlebnis von einem Leben nach dem Tod überzeugt.
Er lebt in Merzig.

Juri Czyborra

Herr Czyborra sagt als überzeugter Atheist: "Von mir selber wird nur bleiben, was ich im Kampf für eine bessere Zukunft errungen habe, sonst nichts."
Er lebt in Essen.

Prof. Dr. Hans-Georg Gradl

Professor für Exegese des Neues Testament
an der katholischen Fakultät Trier

Unser Moderator

  • Dr. Thorsten Hoffmann

    Dr. Thorsten Hoffmann arbeitet im Bistum Trier als stellvertretender Leiter des Strategiebereiches Personal und als Pastoralreferent im Dekanat Losheim-Wadern. Er lebt in Bergen, Losheim am See.

Unsere Musikalischen Gäste

  • bluesduo unplugged

    Das Duo besteht aus den Musikern Christ Jones und Dr. Hans Riedl aus Mainz.

    Die Musik liegt dem Diakon i. R., der in den katholischen Gemeinden von Kostheim wirkte, "im Blut". Wenn der 63-Jährige Chris Jones in die Saiten greift, verströmt er Blues-Athmosphäre. Er ist in Marburg geboren, hat die amerikanische Staatsbürgerschaft und seit mehr als drei Jahrzehnten seinen Lebensmittelpunkt in Mainz. 

    Dr. Hans Riedl, gründete zusammen mit Chris Jones und Jôska Fiedermutz im Jahr 2008 die Mainzer Gruppe "Blue Cats" . Auch er liebt und lebt seinen Blues aus purer Leidenschaft.